Zwei Rechengenies katapultieren Alcedine an die Spitze der Prognosebörsen

Zwei frühere Teilnehmer der Mathematik-Olympiade führen eines der größten und zugleich unbekanntesten Handelshäuser an der Wall Street – ausgerechnet im derzeit gefragtesten Segment: der Prognose künftiger Ereignisse. Alcedine Technologies, 2024 von Zack Chroman und Tanner Hoke ins Leben gerufen, hat sich binnen kürzester Zeit unter die zehn größten Händler an den regulierten US-Börsen vorgearbeitet. Zu diesen Plattformen zählt Kalshi, eine Börse für Vorhersagemärkte, deren Wetten auf Sportergebnisse, Wahlen und weitere Geschehnisse sowohl bei Profis als auch bei Hobbyanlegern erheblich an Zuspruch gewonnen haben.
Ungeachtet dieser Marktstellung ist Alcedine in der Öffentlichkeit nahezu unsichtbar. Auf der eigenen Homepage findet sich lediglich der Vermerk „Bitte schauen Sie später wieder vorbei." Das Profil bei Kalshi ist nicht einsehbar. Selbst in der Branche haben nur wenige Konkurrenten den Namen überhaupt schon gehört – ein bemerkenswerter Umstand für ein Unternehmen, das laut Fachpresse zu den führenden Akteuren seines Feldes zählt.
Die Zurückhaltung sei jedoch keineswegs beabsichtigt, wie es den Anschein haben könnte. Die Gründer versichern, dass Geheimnistuerei nie ihr Ziel war; vielmehr hätten andere Dinge Priorität gehabt, nachdem das Geschäft seit dem Start eine rasante Entwicklung genommen hat. Der Name trägt eine naturbezogene Note: Alcedine geht auf eine Gattung der Eisvögel zurück, jener farbenprächtigen Wasservögel.
Ein Gründerpaar mit außergewöhnlichem mathematischem Talent
Das Fundament für den rasanten Aufstieg bildet die Laufbahn der beiden Köpfe. In der Schule vertrat Chroman die USA bei der Internationalen Mathematik-Olympiade; Hoke trat bei den Weltmeisterschaften im kompetitiven Programmieren an. Nach dem Studium und Stationen beim renommierten Handelshaus Jane Street, wo sich die beiden kennenlernten, starteten Chroman und Hoke 2023 den Handel auf Prognosemärkten. Ein Jahr später folgte die Gründung von Alcedine.
Seither ging es mit Übernahmen und Ausbau stetig voran. Bis Anfang 2026 hatten die Gründer Valence übernommen, eine weitere auf Vorhersagemärkte spezialisierte Handelsfirma, die vom Wagniskapital-Programm Y Combinator unterstützt wird. Inzwischen beschäftigt Alcedine mehr als zehn Mitarbeiter.
Für Anleger in Deutschland ist die Entwicklung aufschlussreich, da Prognosemärkte auch hierzulande zunehmend als Werkzeug diskutiert werden, um Erwartungen an politische und wirtschaftliche Entwicklungen in Preisen abzubilden. Während führende Market-Maker regelmäßig Beträge in Höhe von Hunderten Millionen oder gar Milliarden Dollar pro Monat durch Vorhersagebörsen bewegen, agieren spezialisierte Firmen wie Alcedine bislang weitgehend im Hintergrund. Deutlich wird daran, wie stark der Wettbewerb in diesem Markt davon abhängt, Daten und Modelle schneller auszuwerten als der Rest des Marktes – ein Terrain, auf dem mathematisch geschulte Teams traditionell ihre Stärken ausspielen.
Einstieg ins institutionelle Großkundengeschäft
Nun wagt Alcedine den Schritt in ein weiteres Feld: die großen Blocktransaktionen für Hedgefonds, Family Offices und weitere institutionelle Anleger. Damit rückt das junge Unternehmen noch näher an das klassische Großkundengeschäft der Wall Street heran – ein Bereich, der bislang von etablierten Handelshäusern dominiert wurde. Ob die zurückhaltende Strategie der Gründer angesichts wachsender institutioneller Nachfrage Bestand haben wird, bleibt offen.
Sicher ist: Nach nur gut zwei Jahren im Geschäft hat sich ein Team aus zwei Mathematik- und Programmierbegabungen an die Spitze eines Nischenmarktes gesetzt, der gerade dabei ist, vom Randphänomen zum Massenmarkt zu werden.



